Bitte einmal französisch

Sie bewegte ihre Hüfte, gestikulierte wild mit den Händen und sprach voller Inbrunst und mit einem französischen Akzent über Atemtechniken. Ich sass da und fühlte mich verstanden, aber gleichzeitig spürte ich die Röte, die meine Wangen hinaufkroch, während meine Sexualtherapeutin ganz offen über die richtige Atemtechnik für die schönste Nebensache der Welt referierte. Es nimmt euch jetzt vielleicht wunder, wie ich in dieser Situation gelandet bin? Dazu später mehr …
Nur wenige Themen sind so vielfältig und gleichzeitig so voller Tabus wie unser Sexleben. Die meistens von uns haben eins, einige leben es aus, andere träumen davon, manche mögen es nicht, wieder andere werden süchtig danach. Die einen geniessen es still, die anderen laut. Manchmal wird Sexualität zum Beruf gemacht oder als Kunstform ausgelebt, und sie entwickelt und verändert sich stetig – sowohl mit Blick auf gesellschaftliche Trends als auch in persönlicher Hinsicht.

Ein Aspekt der Sexualität wird jedoch trotz aller Offenheit häufig vergessen: Ein schönes Sexleben bekommt man in aller Regel nicht geschenkt und schon gar nicht mit einer Gebrauchsanleitung oder gar Garantie zugestellt. Man muss es lernen – mit allen Sinnen, die einem zur Verfügung stehen. Dabei spielen der aktuelle Zeitgeist, die körperliche und geistige Gesundheit und der Partner eine wichtige Rolle. Zwar sind wir heutzutage dank dem Informationszeitalter aufgeklärter als frühere Generationen und haben einige Tabus vernichtet. Gleichzeitig aber leben wir in einer überaus schwierigen Zeit, in der zahlreiche Einflüsse auf uns einprasseln und wir uns ständig vergleichen. Das führt dazu, dass wir im Bett den Bauch einziehen und das Licht dimmen, damit der Partner unsere Dellen nicht sehen kann.

Zurück zu der Situation, in der ich mit roten Wangen vor der Sexualtherapeutin sass. Wie es dazu kam? Mir passierte etwas, womit man mit Anfang zwanzig garantiert nicht rechnet: Ich musste mehrmals an genau der Körperstelle operiert werden, die ich bis dahin mit rein weiblichen, positiven und lustvollen Gefühlen in Verbindung gebracht hatte. Ich litt unter einer hartnäckigen Krankheit, die sich knapp unter der dort feinfühligen Haut breitmachte und sich trotz mehrerer Operationen weigerte, mich zu verlassen. Erst nach anderthalb Jahren kehrte «dort unten» endlich wieder eine gesunde Ruhe ein – nicht jedoch, was mein Selbstwertgefühl betraf. Ich fühlte mich wie eine Mischung aus einem Vampir und Frankensteins Tochter mit ein paar Kilos mehr auf den Hüften und ich war drauf und dran, nie wieder bei Tageslicht intim werden zu wollen. Weshalb genau? Weil ich nun nicht mehr so aussah, wie die Natur mich geschaffen hatte, weder am ehemals flachen Bauch noch «dort unten». So kam es, dass ich mich entschied, zu einer Sexualtherapeutin zu gehen, und es stellte sich heraus, dass dies eine Weltklasseidee war.
Dank ihrer Inputs begann ich umzudenken und mich zu hinterfragen – zum Beispiel, warum ich den oberdoofen und sinnlosen Versuch unternahm, den Bauch während der romantischen Stunden einzuziehen, oder alles daran setzte, möglichst keine irritierenden Geräusche von mir zu geben. Was auch ganz hoch im Kurs war, war die Make-up-Kontrolle danach. Goooott, was hatte ich mir immer für einen Stress gemacht! Ach ja, vergessen wir bitte nicht die Sorge vor dem grellen Tageslicht, das jede Delle zur Geltung brachte und die nicht mehr vorhandene Symmetrie offenbarte sowie meine schmerzhaften Enthaarungsversuche mit Wachs und Pinzette.

«Die Antwort, die ich in dieser Therapie fand, war wunderschön simpel: Die Liebe braucht keine Ideale!»

Ich texte jetzt mal nicht um den heissen Brei herum, sondern spreche es aus: Sexualität schien mir lange nur dann perfekt, wenn ich möglichst perfekt dabei aussah. Wer mich jetzt verurteilt für meine Oberflächlichkeit, den/die möchte ich freundlich bitten, meinen nächsten Blogtext zu lesen («40 – so what!»). Dort gibt es genauere (und peinliche) Erläuterungen zu den Jahren, bevor es den Begriff Body Positivity gab. Es gab Zeiten, da wollte man freiwillig die Augen mit messerscharfen Kajalstrichen betonen. Da fand man Hüftjeans im Winter mit eingefrorenen Nieren total super, während jeder Fussgänger den hervorguckenden String mit Strass-Steinen begutachten konnte. Ja, diese Zeiten gab es – und ich bin (leider) eine Zeitzeugin.

Aber zurück zum Thema: Alles hat sein Gutes, und so war es auch mit meiner nervigen Krankheit, die mich zu dieser grandiosen Therapeutin führte. Die ganze Geschichte zwang mich dazu, mich und mein Bodyshaming-Gehabe zu hinterfragen und den schlauen Worten der Sexualtherapeutin zu lauschen und darüber nachzudenken.

Der Sex soll meinem Lieblingsmenschen und mir Spass machen und voller Zuneigung sein – im Zweifelsfall auch mit Dellen, weichem Bauch, unrasierten Beinen und unerwarteten Geräuschen. Er darf wild sein oder auch voller Lachanfälle, weil es eben nicht so läuft wie in den unrealistischen Szenen in «9½ Wochen» (da wären wir nun wieder bei den 80s gelandet), aber dafür ist es echt! Echt ist schön, weil es spontan und ehrlich ist und man keine Zeit hat, darüber nachzudenken, wie etwas sein sollte. Stattdessen tut man es einfach (wortwörtlich!), und darin liegt schlussendlich die grösste Magie. Das ist übrigens auch das Ziel, das wir mit unseren Beldona Talks verfolgen: dass ihr, dass wir alle uns mehr trauen und uns gegenseitig darin bestärken, auf unsere innere Stimme zu hören und nicht nur auf das, was andere sagen, denken oder erwarten.

Und im Fall der Fälle gäbe es da noch immer eine temperamentvolle Französin und einen Hauch Röte auf meinen (oder euren) Wangen...
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